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Vorspann: Wandel der Wirklichkeit

Anfang der 80er Jahre schauten viele erwartungsvoll auf „1984“. Hier wird „1983“ als Krisenjahr, als „Jahr des Wandels“ vorgestellt:

Es sterben: die Wälder,  – der erste deutsche Waldschadensbericht schockiert. Eine andere Gattung stirbt definitiv in dem Jahr: Die Single, – bisher Chance und  Ausdrucksmittel für Indie-Gruppen; es stirbt: NDW, die Neue Deutsche Welle. Zum Abschied produziere ich noch 1983 eine NDW-Single – „E.M.P.“ – mit der „Tanne-tot-Samba“ und dem Song gegen Raketenverstecke in deutschen Wäldern „Deadly Force“.
(> „Tanne-Tot-Samba“
im Trailer der Stuttgarter Ausstellung „Erst stirbt der Wald…“ – zum Internationalen Jahr des Waldes 2011: Anhören unter www.erst-stirbt-der-wald.de.  Hörproben auch unter: E.M.P. Songs. Mehr lesen unter  > „Neue Medien kreativ & sozial“ und > „Pilotinnen und Technikkultur“.)

Es lebt auf: der atomare Rüstungswettlauf, mit Raketenstationierungen auch in Deutschland, – mit Pershing II und SS20 als Markenzeichen des Schreckens.

Es sterben: das „grosse Wir“ in der Frauenbewegung. Zum letzten Mal zieht eine „Sommeruniversität für Frauen“ Wiss- und Streitbegierige an – symptomatischer Titel: „Wollen wir immer noch alles? Frauenpolitik zwischen Traum und Trauma“.



Es nimmt Gestalt an:
das Digitalium. Der Apple Macintosh wird mit einem spektakulären Commercial angekündigt, mit einer Frau als Heldin, als Allegorie des „David Apple“: eine Athletin sprintet auf das überdimensionale Bild des Big Brother „Big Blue“ zu, schleudert einen Vorschlaghammer und zerstört die Chimäre  – daraus die drei Stills, und hier das komplette Werbevideo: 1984 Apple’s Macintosh Commercial
(Quelle Stills und Video: Youtube)

Es lebt auf: aus der früheren Übersichtlichkeit streitbarer Frauengruppen ist längst neue Unübersichtlichkeit, Vielfalt und energisches Mainstreaming geworden. Frauenbewegte Frauen setzen neue Prioritäten; sie rhizomieren in Staat, Parteien und Institutionen, Schuldienst und Gewerkschaften; sie akademisieren die Geschlechterforschung an den Hochschulen, organisieren sich berufsspezifisch von Kirchen bis Naturwissenschaft und Technik, oder sie verteilen sich – nun wieder als als Nebenwiderspruch, aber zunächst durchaus frauenmachtbewusst sicht- und hörbar – in „gemischte“ Bürgerbewegungen gegen Nachrüstung, für Umwelt und Biofood. Manche richten sich in besetzten Häusern ein, manche suchen nach spirituellen Erfahrungen. Die „Neue Dreifaltigkeit“ von Feminismus, Ökologie und Spiritualität soll durchs New Age leiten. Die „Neue Mütterlichkeit“ wird (wieder)geboren. Andererseits: In Gorleben wird der Gebärstreik ausgerufen…:


3.Foto v.l., Screenshot aus Dokfilm: C. Rentmeister, Ausrufen des Gebärstreiks. Quelle Screenshot:  www.thealit.de – streik_academy 2009

.…mehr zum Gebärstreik: siehe  > „Neue Frauenbewegung. Wissenschaft & Kunst & Leben“

…mehr zur „Neuen Dreifaltigkeit“ von Feminismus, Ökologie und Spiritualität: siehe unten, > Wendezeit – wohin? zu Fritjof Capra, > Alte Weisheiten und moderne Naturwissenschaften, und > Die Erleuchtung aus dem Labor


Aus diesen verwirrenden, irrenden und suchenden Zeiten im folgenden Texte, Bilder und Hörproben.


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Frauenwelten – fern, vergangen, fremd? Die Matriarchatsdebatte in der Neuen Frauenbewegung

in: „Kulturkontakt – Kulturkonflikt. Zur Erfahrung des Fremden“, Beiträge zum 26. Deutschen Volkskundekongreß 1987. Hrsg. von I.-M.Greverus, Frankfurt/M. (Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie) 1988

1988 beschreibe ich rückblickend und Abschied nehmend die Autonome Frauenbewegung von 1974 an, über das Krisenjahr 1983 bis zum Jahr 1988 in drei Phasen:
1. Halbzeit: etwa von 1968 bis 1977, die Zeit der Amazonen,
2. Halbzeit: von 1978 bis 1988, die Zeit der Mütter,
3. Wechseljahre: von 1978 bis etwa 1983
Ausgangspunkt sind dabei die Matriarchatsdebatte in ihrer ganz unterschiedlich identitätsstiftenden Bedeutung – und meine ersten konkreten Erfahrungen von den Reisen in „moderne Matriarchate“.

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Das Frauen-Macht-Programm. Eine Identitässimulation mit RitaSoft und den Byte-Sisters 

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FMP – Auftritt in München 1986

Die eigene Identitätssuche: führt von den verwirrend zahlreichen Strömungen und dem sich bildenden Mainstream der Frauenbewegung in die Computerwelten. Cristina Perincioli und ich eröffnen einen Nebenfluss, wir beginnen eine Expedition in die Welten der Bits und Bytes: anziehend, exotisch, – und frauenleere Gefilde. Wir sind den aufscheinenden kreativen, audiovisuellen Potenzialen der Computer auf der Spur. Computer sind damals „Geräte auf der Suche nach Anwendungen“ und Themen. Die haben wir wiederum in dieser Zeit der „neuen sozialen Bewegungen“ reichlich im Rucksack. Ich suche aber auch eine Erholung von den Richtungskämpfen, die mich ratlos machen. Die erleben wir aber nun auf neuem Terrain: Denn gerade gebildete Frauen (auch Männer) sehen damals in den Computern „Big Brother“, eine kalte Schwarz-Weiß-Welt aus Einsen oder Nullen. Aber andere lassen sich von uns mitnehmen zu Reisen „mit Computern ins Reich der Sinne“ (so der Titel eines Textes von 1985…?), und es werden im Laufe der Jahre immer mehr…
Bis zur Einladung zur 1. multimediale im ZKM Karlsruhe 1989  dauert es (nur) noch 6 Jahre. Bis dahin gibt es viel zu Entdecken.
Schon immer technikaffin – ich setzte bereits 1975 bei der LP-Produktion der Flying-Lesbians LP einen analogen Synthesizer ein -, reizte mich vor allem die analog-digital-wandelbare Welt der Klänge, Geräusche, Sounds und Musik. (siehe auch > Queer Media & Musik, und > Neue Medien kreativ & sozial).
Die Frage nach Weltbildern im Wandel fasse ich in die Multimedia-Show „F.M.P. – Das Frauenmachtprogramm“. Aufführungen in München, Frankfurt, Berlin.

„Das Frauenmachtprogramm“ – Eine Multimedia-Show zu weiblicher Identitätssuche im aufkommenden Digitalium, der „Welt No.11“. Rückblenden auf vergangene frauenmächtige Welten mit Start bei „Kuskurza“, der 3. Welt der Hopi-Indianerinnen, die an ungebremstem Bevölkerungswachstum zugrunde ging.

Presse:  „Die göttliche Hannelore“, FAZ-Kritik 13.12.86, zur Aufführung im Frankfurter Leinwandhaus  (Veranstaltungsreihe „Literarischer Mittwoch“, Konzept: Dr. Ann Anders-Naumann)

Lesen als PDF: faz_kritik


Hier ASAP: Song „Welt No.11“.

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Hexen Heute

NDR 3 TV:
Song „Welt No 11“ und Interview zu aktuellen Hexenritualen  – in: „Hexen Heute“, Film von Brigitte Pleiss und Ralf Kaiser, Lotta Medien/NDR3 1986

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Tempodrom Berlin – Forum Futurum

Auch im Berliner Temprodrom fanden die Suchbewegungen der 80er Jahre – zwischen Naturwissenschaften, neuen Medien und alten Weisheiten – eine Bühne und ein lebhaft mitdiskutierendes Publikum.

Leporello-Ausschnitt.

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Weitere Veröffentlichungen:

Wendezeit – wohin?

Rezension des zweiten Buchs  von Fritjof Capra „Wendezeit – Bausteine für ein neues Weltbild“
in: Courage 11, November 1983, S.48-50

Über die „Neue Dreifaltigkeit“ von Feminismus, Ökologie und Spiritualität im holistischen Weltbild des beginnenden „New Age“.

Rezension als PDF:   capra_rez_courage nov_1983 –  einschließlich Titelbild und Inhaltsverzeichnis der „Courage“ Nr.11/1983.

Das Inhaltsverzeichnis der „Courage“ zeigt die Bandbreite der feministischen Themen des Jahres 83, u.a.
Gitte Haenning Interview „Ich will alles“ – Neues Scheidungsrecht „Die Braut trägt schwarz“ – Bergarbeiterfrauen und Zechenstillegung – Londoner Frauenkrankenhaus soll geschlossen werden – USA: Terror gegen Lesben – DDR-Friedensfrauen: Ersehnter Austausch – Klitorisbeschneidung in Deutschland – Grapscher im Betrieb  – Peep Show – Andere Avantgarde Linz – 7. Sommuni für Frauen Berlin „Die Hälfte der Hölle?“

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Wandel der Wirklichkeit

in: Werner Pieper (Hrsg.): „Zukunftsperspektiven – Forschung, Szenarien, Technologien“, Löhrbach 1983

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(W)affendämmerung? Evolutionsszenarios aus Naturwissenschaften, Kulturwis­senschaften und Esoterik

Mit den Kapiteln:
Prozessionen und Filmrisse: Vom Affen zum Mann – Das Gehirn, das über seine Spaltung nachdenkt, und über die Pathologie seiner Spaltung – „Vom Frosch zu Apollo“ – Der vorläufige Siegeszug mechanistischer und uniformer Evolutionsanschauungen seit dem 17. Jahrhundert – Old New Age: Im Westen nichts Neues – Theosophie und Anthroposophie – Personalien zu einer „okkulten Schlampe“ – Die Theosophie – Die Anthroposophie – Wachsende Komplexität, oder Dichte und Kontrolle? – Von der genetischen zur gesellschaftlichen zur labormäßigen Ko-Evolution? – „Der KRIEG ist der VATER aller DINGE“ – Die Suche nach der Weltformal – Eins und Eins = Eins und Alles? – Autonome Frauenbewegung: zwischen Kulturrevolution und Instandbesetzung des Patriarchats

in: Vorbereitungsgruppe 7. Sommeruniversität für Frauen, Berlin (Hrsg): Wollen wir immer noch alles? Frauenpolitik zwischen Traum und Trauma, S. 405-429 (Beiträge zur 7. Sommeruniversität für Frauen 1983); siehe auch den Artikel „7. Sommeruniversität. Die Hälfte der Hölle?“ von Irene Stoehr in der „Courage“ November 1983, S. 44-47.
in: Rüdiger Lutz (Hrsg.): ÖKO-LOG-Buch 3, Weinheim (Beltz) 1984
in: Rüdiger Lutz (Hrsg.): „Pläne für eine menschliche Zukunft“ (Psychologie Heute Sachbuch) Weinheim (Beltz) 1988Der

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Alte Weisheiten und moderne Naturwissenschaften

DLF, NDR – Radiomanuskripte und Sendungen;  O-Töne von Interviews mit Fritjof Capra, Stanislav Grof u.a.m.

Berichte von der Konferenz „EAST AND WEST – Ancient Wisdom and Modern Science“, The 7th International Transpersonal Conference, Bombay, India, February 14-20, 1982

Hier demnächst: O-Töne, Fotos

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Die Erleuchtung aus dem Labor

DLF, NDR, RB  – Radiomanuskripte und Sendungen

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