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“In unserer Zeit haben auch Frauen das Recht, vielleicht sogar die Pflicht, Vorkämpferinnen einer grossen technischen Idee zu sein. Und wenn sie dabei scheitern, dann soll das nicht eine Warnung, sondern ein Ansporn für andere sein, ihren Spuren zu folgen.”

– schrieb 1937 Amelia Earhart, Pilotin, 1932 einziger Mensch mit zwei Transatlantikflügen, und 1929 Mitbegründerin der internationalen Pilotinnenvereinigung “The Ninety-Nines”.




Auch in Deutschland sind zahlreiche “Vorkämpferinnen einer großen technischen Idee” hervorgetreten – auch in der Luftfahrttechnik, von den Pionierzeiten an. Als Beispiel hier eine Ingenieurin: Ilse Essers geb. Kober hat in den zwanziger Jahren zur Sicherheit von Flugzeugen maßgeblich beigetragen, – mit ihren Entdeckungen zur Festigkeit von Holmen und zum Massenausgleich gegen das Ruderflattern. Die Höhen und Tiefen ihres Lebenswegs und ihrer Forschungsabenteuer hat sie in der Autobiografie “Technik an meinem Lebensweg. Als Frau und Ingenieur in der Frühzeit der Luftfahrttechnik” nüchtern, zugleich sehr persönlich, humorvoll und mit (auch für Laien interessanten) technischen Überlegungen beschrieben.

Ilse Essers (rechts) mit dem Flieger Ponater 1917, Bodensee  (vom Buchcover)

Zu Essers Buch und mehr Lesestoff siehe > ganz unten.

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Ada, Laurie, Nadia: Avantgardistinnen der Computerkultur

in: Richter, Heidi, und Adelheidt Sievert-Staudte (Hg) (1998): Eine Tulpe ist eine Tulpe ist eine Tulpe. Frauen, Kunst und Neue Medien, Königstein

Abbildungen aus dem Artikel:


Bild links: Slogan der Mercedes-Werbung von 1997, mit der auch Frauen als Test-Ingenieurinnen gewonnen werden sollten: “Als Kind spielte sie mit Autos, heute spielt sie auch mit Puppen.”

Für weitere Artikel siehe auch Menü > Neue Medien kreativ und sozial

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Traum, Trauma, Silberstreif – Frauen in der Luftfahrt


Stürzen und Fliegen: Die Geschichte von Frauen in der Luftfahrt, von den Pionierinnen bis zur Raumfahrt ist ein Teil der Technikkultur – und Feld für “Gender Studies Extrem”. Sobald Menschen sich in die Luft erhoben – mit Ballons ab dem 18.Jahrhundert, im frühen 20.Jahrhundert mit Luftfahrzeugen “schwerer als Luft” – strebten auch Frauen in diese neue technische Sphäre -; und die es schafften, lieferten sogleich bemerkenswerte technische und fliegerische Beiträge. Viele hatten männliche Förderer – und oft auch unterstützende Mütter. Aber gerade die Pionierinnen begegneten auch teils maximalen Widerständen, bis hin zu Sand im Tank, weil sie sich auf ein neues, extrem prestigeträchtiges Spielfeld des “Männerstolzes”, von “Männlichkeit” begaben…

Beispielthemen aus Vorlesungen/Vorträgen (audiovisuell):
Pionierinnen im Korsett 1910 – 1914: “Die Frauen nehmen der Fliegrei den Nimbus!”/ 1914-1918: Weltkrieg, Militarisierung der Luftfahrt: “Der Krieg steigert wieder den Kurs der Männlichkeit”/ Zwischenkriegszeit: Die “neue Frau” fliegt mit 40 PS allein um die Welt – Rekordfliegerinnen der 20er und 30er Jahre / Krieg 1939-1945: “Mehr Sturzflüge als jeder deutsche Mann” – Realität bricht Stereotype. Frauen an allen Fronten, mit allen Arten von Fluggerät/ Nachkriegszeit ab 1945: NASA lehnt Raumfahrerinnen ab. Bei der Lufthansa: 55 lange Jahre – von “Frauen sind anfälliger” bis zu den “vier Streifen” und Pilotinnen als High Potentials

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“Provide – Promote – Preserve”: Pilotinnen heute, vernetzt, fördernd, informierend


Pilotinnen vernetzt…

Wie auf anderen Gebieten weiblichen Empowerments, haben sich auch in der Luftfahrt Frauen aus den USA als erste “bewegt” und zu einem Netzwerk zusammengeschlossen:

…international:
1929 gründen 99 Pilotinnen – darunter Amelia Earhart – “The Ninety-Nines – International Women Pilots Association”, die 99s. Sie sind damit nach ZONTA das zweitälteste, zweitgrößte internationale Frauennetzwerk. Vertreten sind Frauen aller Fluggattungen, von Segelflug bis Raumfahrt, Whirly Girl bis Militärpilotin.

Das mission-Statement der 99s::
Promote – world fellowship through flight
Provide – networking and scholarship for women
Preserve – the unique history of women in aviation

Im Jahr 2010 haben die 99s ca. 6000 Mitglieder, davon ca. 40 in der deutschen Sektion.
Zu den > International Ninety-Nines (englisch) und > zur deutschen Sektion der Ninety-Nines

Internationaler Austausch USA – Deutschland: Bericht von Hollis Walker im Ninety-Nines Magazine Jan. 2005. Titelblatt: Pilotinnnen Cillie Rentmeister (vorne) und Amy Ecclesine (New Mexico, USA) nach der Landung in Schönhagen. Erste Innenseite: 99s-Pilotin und Fluglehrerin Priska Wollein mit einem Schulgleiter von 1938, Flugplatz Schönhagen.  Den Artikel lesen: > zwei Ninety-Nines in Berlin

.. und 2006 der Gegenbesuch bei den 99s in New Mexico und Arizona – mit einem Fly In nach Durango:


Internationaler Austausch Canada – Deutschland: Akky Mansikka, 99-Pilotin und Fluglehrerin aus Canada, nimmt an der Drachenboot-Weltmeisterschaft in Berlin teil. Ihr Fotobericht über Treffen mit den Berliner 99s und einen Flug mit mir über den Himmel von Berlin auf der Site der canadian 99s:  http://www.canadian99s.org/articles/flying_in_germany.htm

Video-Tipp: Patty Wagstaff, Mitglied der der 99s und dreifache US-Kunstflugchampion, in Aktion und Interview, unter anderem über Frauen im Kunstflug: Link zu Youtube


…national:

In Deutschland gründet sich 1968 die “Vereinigung Deutscher Pilotinnen”, die VDP. Mitgründerinnen sind namhafte Fliegerinnen der dreissiger Jahre: Elly Beinhorn, Hanna Reitsch und Beate Uhse.
Im Jahr 2010 hat die VDP mehr als 300 Mitglieder. > www.pilotinnen.de


Bericht übert das Fly-In der VDP zu Ehren von Elly Beinhorn nach Berlin – Flughafen Tempelhof 2002: Berliner Morgenpost, 7.9.02. Artikel > als PDF lesen (3,4 MB)


Pilotinnen fördernd und informierend…

In den USA und weltweit verstehen sich die 99s in bürgerschaftlicher Tradition und wirken für das Empowerment von Frauen in der Luftfahrt; sie bewahren die Geschichte von Frauen in der Luftfahrt, veranstalten und beteiligen sich seit 1929 an Wettbewerben/Air Races, und eröffnen durch Aus- und Weiterbildungsstipendien anderen Frauen erweiterte Chancen in allen Zweigen der Luftfahrt. Die 99s engagieren sich auch für Flugsicherheit und “airmarking”.
In Deutschland veranstalten Mitglieder der German Ninety-Nines und der VDP Fortbildungen, Fly-Ins, beteiligen sich an Öffentlichkeitsarbeit (auf Messen, Ausstellungen) und organisieren Aktionstage für Mädchen am jährlichen “Girl´s Day”.

Hier ein Beispiel eigener Aktivitäten zum “Girl´s Day”: Mit einer Klasse des Königin-Luise-Gymnasium auf dem Flughafen Erfurt, 2007


Fotos: Cillie Rentmeister

“Interdisziplinär abgehoben”, theoretisch und praktisch: Fachexkursion der Fakultät Verkehr und Transport der FH Erfurt (Mai 2010, Leitung: Prof. Dr. Florian Heinitz) zum Flugplatz und Luftfahrt-Technologiepark Schönhagen bei Berlin, mit Vortrag zum “Genderfaktor in der Luftfahrt” und Verlosung eines Mitfluges mit Cillie Rentmeister.
Bericht lesen: Schönhagen FH Erfurt qm_sept_2010


Exkursionsbericht im “Quadratmeter” der FH Erfurt, Sept. 2010. Titelfoto links: Die Mitfliegenden Studierenden Christin Müller und Christian Wille in der D-EJBF; Foto: Marcus Quendt.


Weitere eigene Beispiele und Presse siehe unter: > Zur Person CV/Sonstige Interessen/Presse


Praxis-Lesetipp: Übersichtliche Infos für Einsteigerinnen “Wie lerne ich Segelfliegen?” von Priska Wollein (FI, 99s) auf der deutschen Site der 99s


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Faszination Fliegen und drüber Schreiben: Lesestoff zwischen Hölle und Himmel

Die Flugpionierinnen waren oft bemerkenswert begabte Schriftstellerinnen. Sie erlebten Abenteuerliches, und mussten oft durch Schriftstellerei ihre Flüge finanzieren. Zum Teil bis heute aufgelegt werden die Bücher von Amelia Earhart (beispielsweise “20 hours 40 Minutes” von 1928), Anne Morrow Lindbergh, Jacqueline Cochran (“Mein Weg zu den Sternen”), und den deutschsprachigen Pilotinnen Melli Beese, Elly Beinhorn, Hanna Reitsch und Beate Uhse.

Biografien, Forschung, Bildbände  (Auswahl, wird weiter ergänzt):

NEU: Ronald D. Gerste (2010): Amelia Earhart. Der Traum von grezenloser Freiheit, Regensburg.

Gerste fügt der Fülle von AE-Literatur ein dichtes und gleichzeitig knappes Buch hinzu: mit Power geschrieben, schöne Fotos. Kapitel unter anderen: “Das Mädchen aus der Prärie”, “Die Feministin”, “Eine Vernunftehe”, “Die Nationalheldin”, “Der letzte Flug”.
Zwei Zitate aus dem Covertext:
“Sie rebellierte gegen eine Welt, die für Frauen zu sicher, zu wenig aufregend war.” Editorial der New York Times am 20.Juli 1937
“Sie hat der Sache der Frauen gedient, indem sie ihnen das Gefühl vermittelte, dass es nichts gäbe, was Frauen nicht tun könnten.” Eleanor Roosevelt, Frauenrechtlerin und First Lady 1933-1935 (und Freundin von Amelia Earhart, CR)


Ilse Essers (1988): Technik an meinem Lebensweg. Als Frau und Ingenieur in der Frühzeit der Luftfahrttechnik. Herausgegeben von Peter F. Selinger, Graz.

Leseprobe –
aus ihrer Zeit als Assistentin an der DVL (Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt), Berlin Adlershof, 1928 – es gilt, die Ursache für den Absturz einer Dornier “Merkur” der Lufthansa zu erforschen, bei dem alle Insassen zu Tode kamen:

“…Erste Schwierigkeiten: Pilot und Bordmonteur der Lufthansa waren laurig (ängstlich), d.a. sie wollten die gefährliche, bei der Lufthansa gesperrte Maschine nicht fliegen. Bekanntlich gibt es viel Aberglauben in der Fliegerei. Doch ich sagte zu den beiden: ‘Vor jedem Flug mit einer Lupe alle acht Strebenköpfe kontrollieren, ob Sie einen Haarriß feststellen. Der ist ja der Anfang zu einem Dauerbruch. Wenn nichts Verdächtiges bemerkt wird, dann können wir drei ruhig mit dem Flugzeug fliegen. Ich bin nämlich eines alten Fliegers Kind, mir passiert kein Flugunfall. Wenn ich dabei bin, kann Ihnen ja auch nichts passieren.’ Diese Logik leuchtete den beiden ein und so machten wir furchtlos die vielen nötigen Meßflüge, oft die besonders starken Beanspruchungen in Böen aufsuchend…”


Wolfgang Meighörner (Hrsg.)/ Heike Vorgel, Barbara Waibel (Projektleitung) (2004): Frauen und Flug. Die Schwestern des Ikarus. Friedrichshafen (Zeppelin-Museum).    Link zum > Inhaltsverzeichnis


Gerhard Bracke (1990): Melitta Schiller Gräfin Stauffenberg – Das Leben einer Fliegerin, München


Evelyn Zegenhagen (2007): “Schneidige deutsche Mädel” – Fliegerinnen zwischen 1918 und 1945, Göttingen. Gut lesbare Genderanalyse, mit zahlreichen Fotos

Jörg-Michael Hormann, Evelyn Zegenhagen (2008): Deutsche Luftfahrtpioniere 1900-1950, Kurzbiografien mit Fotos, zahlreiche Pionierinnen.

Monika Keuthen (2001): “Fliegen heißt, ganz frei zu sein” – Amelia Earhart, München


Anregungen für weitere Bücher, auch mit Kurzkritiken und Coverabbildungen,  unter Menüpunkt “Literatur” auf der website der deutschen Sektion der 99s


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