„Sehet das ist Ödipus, der das schwere Rätsel löste…“ sagt Sophokles in seinem „Ödipus der Tyrann“.

„Das ewige Problem zwischen dem Mann und der Frau… das Sphinxische, welches durch die Jahrhunderte foltert, das Frauenhafte…“, schreibt Hermann Bahr 1891.


Fernand Khnopff: Die Zärtlichkeit der Sphinx, 1896

„Ödipus besiegt die Sphinxwurde zur Schlüsselszene im Geschlechterdrama: In der griechischen Antike mit Ödipus als jungem „patriarchalen Helden“ und der Sphinx, dem „matriarchalen Ungeheuer“, – in Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts neu inszeniert als „Das Rätsel Weib“.


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„Blick zurück im Zorn – die Geschichte des Ö.“

in: Gabriele Dietze (Hrsg.), „Die Überwindung der Sprachlosigkeit“, Darmstadt (Luchterhand) 1979 und 1989

Bilder aus Aufsatz: Franz v. Stuck, Sphinx, 1904 (oben); Stucks Sphinx in Brázay-Reklame 1905


Übersetzungen:

niederländisch in: Sonderheft von „De Heilstaat“, Zeitschrift des Kunsthistorischen Instituts der Universität Amsterdam, Dez. 1979, im Volletxt als PDF, –  siehe > other translations… oder gleich hier  als PDF

englisch (USA) in: „Feminist Studies“, University of Maryland/USA. Sonderausgabe zur Kultur­geschichte der Frauen, Winter 1980

Vorbemerkung:
In „Blick zurück im Zorn… Die Geschichte des Ö.“ wird die Geschichte von Ödipus und der Sphinx zunächst archäologisch und archäologiekritisch rekonstruiert. Hierin unterscheidet er sich wenig vom folgenden Artikel von 1980, „Das Rätsel der Sphinx…“
„Die Sphinx im Korsett“: Im letzten Drittel des Eassays wird die Wiederbelebung des Motivs in Kunst und Skulptur des 19.Jahrhunderts vorgestellt – unter anderem wird gezeigt, wie sich im Laufe des Jahrhunderts das Machtverhältnis zwischen Ödipus und der Sphinx umkehrte, und warum die Sphinx als „Rätsel Weib“ zum Symbolbild einer zunehmend verrückten Geschlechterordnung werden kann?
Schließlich wird die Sphinx noch in Verbindung mit der Frauenarbeit und der kapitalistischen Rüstungsindustrie gebracht – und vom starken Arm des männlichen Arbeiters und seinen Gewerkschaften niedergezwungen:

links: Toorop, Plakat zur Int. Frauenausstellung den Haag 1899; rechts: Allegorie auf den 1.Mai (Ausschnitt), 1899

Zwei Zitate aus dem Artikel –

Jules Michelet, 1860:
Es gibt niemand, der nicht die Haupttatsache unserer Zeit sähe. Durch einen einzigartigen Zusammenfall sozialer, religiöser und ökonomischer Umstände lebt der Mann getrennt von der Frau. Und das in zunehmendem Maße… sie scheinen wie zwei Reisende, aufgebrochen vom selben Bahnhof, der eine mit Volldampf, der andere mit geringerer Geschwindigkeit, aber auf auseinanderlaufenden Geleisen…
Der Herd ist kalt, der Tisch stumm, und das Bett eisig…
Jedermann sieht, wie sich jeden Abend der eine Salon in zwei aufspaltet, in einen von Männern und einen von Frauen…
Es gibt keine gemeinsamen Ideen mehr, keine gemeinsame Sprache, …Bald wird es, wenn man nicht auf der Hut ist, nicht mehr nur zwei Geschlechter geben, sondern zwei Völker.“

Hermann Bahr beklagt 1891:
„…das ewige Problem zwischen dem Mann und der Frau, welche sich nimmermehr fassen können,  das fremde und das andere am Weibe, in das keiner hinein (!), über das keiner hinaus kann, das Sphinxische, welches durch die Jahrhunderte foltert, das Frauenhafte…


Artikel auf deutsch mit Illustrationen als PDF:

Kapitel PDF

Die Geschichte vor der Geschichte.
1. Sphinx – und kein Ödipus in Sicht.

p221-225
2. Ein Dreieck – und nicht ödipal. p226-233

a. Die sogenannte Grabkammer. b. Die Säule, die kein Phallus ist.
3.  Ihre Spirale ist eine Brust, Madame!

p234-243
4. Das Rätsel der S. p244-251
5. Die Plünderer der Symbole.  –  19. Jahrhundert: Die Sphinx im Korsett p252-261
Durch die Mütter zurückdenken.   –   Anmerkungen. p262-272



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„Das Rätsel der Sphinx – Matriarchatsthesen und die Archäologie des nicht-ödipalen Dreiecks“

in: Brigitte Wartmann (Hrsg.) (1980): „Männlich – Weiblich“. Berlin (Ästhetik und Kommunikation)


Vorbemerkung:
>“Das Mutterrecht verbleibt dem Tiere, die menschliche Familie geht zum Vaterrecht über“, sagt Bachofen im Abschnitt über das mutterrechtliche Lykien…<

Während „Blick zurück im Zorn… Die Geschichte des Ö.“ die Geschichte von Ödipus und der Sphinx bis in Philosophie und Kunstgeschichte des 19.Jahrhundert hinein verfolgt, ist dieser Artikel archäologisch, rezeptionskritisch und bevölkerungsökologisch orientiert.
Er behandelt in der zweiten Hälfte die Frage: „Wie wird mit Matriarchatsthesen Politik gemacht?“, plädiert für eine „nicht-phallische Archäologie“,  und fordert abschließend „eine nicht phallische Bevölkerungspolitik“, mit der Frauen sich wieder ihrer selbst, ihrer Körper und ihrer Gebärfähigkeit bemächtigen und die Zahl der Geburten beschränken.

Ödipus erschlägt die Sphinx mit einer Keule. Von einer Lekythos, Ende 6.Jh. v.u.Z.

Volltext mit zahlr.Abb. als PDF:

Kapitel PDF

Anfang
Die Archäologie des nicht-ödipalen Dreiecks:
1. Sphinx – und kein Ödipus in Sicht     p.150-155 (1,5 MB)


150-155
2. Ein Dreieck – und nicht ödipal.    p.155-160 (1,6 MB) 155-160

a. Die sogenannte Grabkammer. b. Die Säule, die kein Phallus ist.
p.160-166 (1,8 MB)


160-166
3. Ihre Spirale ist eine Brust, Madame!     p.166-168 (721 KB) 166-168
4. Das Rätsel der Sphinx    p.168-174 (1,8 MB) 168-174
5. Die Plünderer der Symbole. „Was hilft es den Frauen…“. 
p.174-181 (1,6 MB)
174-181
Die Wissenschaft der Unterwelt und eine nicht-phallische Archäologie
p.181-187 (1,8 MB)
181-187
Was folgt? Für eine nicht-phallische Bevölkerungspolitik. –
Anmerkungen. Cover.
p.187-192 (2 MB)
187-192


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Matriarchale Weltbilder in Alt-Europa, im Spiegel der Symbolkultur –

und:

Die Archäologie als „Wissenschaft der Unterwelt“ und ihr Beitrag zur matriarchalen Ikonografie

mehr dazu lesen in: > Frauenwelten – Männerwelten. Kap. 2.2, S.67-108  (dort Volltext als PDF)


Sphingen liegen auf einem Schrein. Ausschnitt aus Wandbild, Pylos, 13.Jh. v.u.Z.

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Abbildungen aus den Artikeln und wikimedia commons

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