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Seit den achtziger Jahren habe ich mich auf Erkundungsreisen in „moderne“, zeitgenössische Matriarchate begeben. Man muss sich vorstellen, dass in Reiseführern davon nicht die Rede war – und das Thema in der Fachliteratur exotisch bis verpönt.


Matriarchat: Kerala, Südindien: Cäcilia Rentmeister bei den matrilinearen Nayar „Ambady“, Kerala. Foto: Sigrid Fronius

Es ging mir nicht nur darum, den oft unsicheren Interpretationen in der archäologischen Matriarchatsforschung eigene Anschauungen von zeitgenössischen Verhältnissen an die Seite zu stellen, – sondern ich suchte gleichzeitig Anworten auf Fragen, die für mein und das Selbstverständnis der neuen Frauenbewegung bedeutsam waren:

Waren und sind Frauen immer und überall „das zweite Geschlecht“, wie Simone de Beauvoir behauptet hatte? Ist das Patriarchat universell? Oder waren und sind Frauen Schöpferinnen von Kultur und gestalten Gesellschaften maßgeblich mit sozialer Intelligenz?


Matriarchat. Matrinlineare Minangkabau, Westsumatra: Der Priester, Ethnologe und Matriarchat-Experte Gérard Moussay im Gespräch mit Cäcilia Rentmeister. Foto: I. Lohstöter

In der Auseinandersetzung mit den „sozialistischen Frauen“ ging es auch immer wieder um die strategisch-politische Frage, ob die Geschlechterfrage den gesellschaftlichen Haupt- oder nur den Nebenwiderspruch darstelle, und die Emanzipation der Arbeiterklasse würde die Frauen automatisch mit befreien….?

Zwei Impulse für meine ersten „Matriarchatsreisen“:

… ein Artikel in der feministischen Zeitschrift „COURAGE“ vom Dezember 1979 von Helga de Freese: „Mutterrecht auf Sumatra. Die Männer statten im Hause der Frau nur kurze Besuche ab“, und

… die TV-Doku von Marie-Claude Deffarge und Gordian Troeller „Männerherrschaft unbekannt“ über die Minangkabau, gesehen 1980, aus der Reihe „Die Frauen der Welt“. Die Filme sind im Web zu erwerben > Mehr Infos und zum Download.

Bisherige Reisen zu: Minangkabau (Westsumatra, Indonesien); Nayar (Kerala, Südindien); Meo, Lahu u.a. (Thailand, Birma); Philippinen; Hopi und Navajo/ Diné (New Mexico, Arizona, U.S.A.); Bretagne (Frankreich).


Matriarchat: Kerala, Land der matriarchalen Nayar: im Tarawad-Garten; mit dem Rad in Kerala unterwegs. Fotos: Cäcilia Rentmeister; Sigrid Fronius

Den Begriff „Matriarchat“ benutze ich, weil er auch von meinen indigenen GesprächspartnerInnen oft ganz selbstverständlich benutzt wurde. Die beiden Hauptmerkmale sind „Matrilinearität“ und „Matrilokalität“:

Unter „matrilinear“ versteht man Vererbung von Namen – also Blutsverwandtschaft, Abstammung – und von Besitz in weiblicher Linie; „matrilokal“ bedeutet, dass Paare „am Ort, auf dem Land, im Haus der weiblichen Linie“ leben.

Und: Matriarchate sind nicht die Umkehrformal von Patriarchaten. Zu dieser Aussage war ich bereits Anfang der achtziger Jahre gekommen – sie konnte durch meine folgenden Recherchen und von späteren AutorInnen bestätigt werden.

Matriarchat. Screenshot von www.ava2.de: Kapitel „Kultur bannt Gewalt“. Fotos: Cillie Rentmeister

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„Frauenwelten: fern, vergangen, fremd? Die Matriarchatsdebatte in der Neuen Frauenbewegung“

in: „Kulturkontakt – Kulturkonflikt. Zur Erfahrung des Fremden“, Beiträge zum 26. Deutschen Volkskundekongreß 1987. Hrsg. von I.-M.Greverus, Frankfurt/M. (Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie) 1988

1988 beschreibe ich rückblickend und Abschied nehmend die autonome Frauenbewegung von 1974 an, über das Krisenjahr 1983 bis zum Jahr 1988 in drei Phasen:

1. Halbzeit: etwa von 1968 bis 1977, die Zeit der Amazonen,

2. Halbzeit: von 1978 bis 1988, die Zeit der Mu?tter,

3. Wechseljahre: von 1978 bis etwa 1983

Ausgangspunkt sind dabei die Matriarchatsdebatte in ihrer ganz unterschiedlich identitätsstiftenden Bedeutung – und meine ersten konkreten Erfahrungen von den Reisen in „moderne Matriarchate“…

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Ms. Aman. Foto: C.Rentmeister Minangkabau_Haus_Neubau, Foto: C. Rentmeister

Minangkabau: links: Frau M.D.B Aman, rechts: Haus Neubau in Pandai Sikat. Fotos: Cillie Rentmeister

 

Mehr zu den Minangkabau: Kapitel 2.1.3  in > „Frauenwelten – Männerwelten“

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„Kultur bannt Gewalt“ – bei den Nayar in Kerala, Südindien 

 

 

 

Einige Informationen und Fotos von meiner Studienreise zu den südindischen Nayar finden sich auf der Website zur www.ava2.de, „Professionell Handeln in Fällen Häuslicher Gewalt“, im Kapitel „Täter“, Unterpunkt „Kultur bannt Gewalt“: hier ein Screenshot – und für das gesamte Kapitel der  Link zu „Kultur bannt Gewalt“

Matriarchat: Traditionell gleiche Bildungschancen für Frauen und Männer bei den Nayar – aus einem Familienalbum, Foto: Cillie Rentmeister

Mehr zu den Nayar: O-Töne aus Interviews; Interview-Transskriptionen; Auszüge aus Interviews in Vortrag; Hinweis und interner Link auch auf/zu Abschnitt in „Entwicklung ist weiblich“

Vortrag: „>Da waren die Frauen noch frei! Wirtschaftlich Unabhängig!<“ Lebhafte Erinnerungen ans Mutterrecht – Bei den Nayar in Kerala“. Interviews mit L.K. Ambady Basunika, Damodoran u.a. Unveröffentlichtes Manuskript.

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Bevölkerungsökologie und Geburtenkontrolle in Matriarchaten: „Entwicklung ist weiblich“

Für matriarchale/matrilineare Gesellschaften läßt sich ein Zusammenwirken zwischen Bildung, Verhütungswissen und Bereitschaft zur Geburtenkontrolle, Wohlstand, Empowerment und ökonomischer Selbstständigkeit von Frauen – mit dem Ergebnis von guten Positionen im „Human Development Index“.

Diese Wechselwirkungen zugunsten „menschlicher Entwicklung“ hatte ich bereits 1985 im Kapitel „Die Junggesellenmaschine“ und im gleichnamigen Rundfunkfeature (NDR, DLF) beschrieben:

im PDF nachlesen unter Menüpunkt > „Frauenwelten – Männerwelten“, Kap.3 ff

demnächst hier: Hörproben als mp3

Mit aktuellen Zahlen und Fakten ist das Thema aufgegriffen in „Entwicklung ist weiblich. Über den Zusammenhang zwischen Gleichberechtigung, Reproduktiven Rechten und Menschlicher Entwicklung“, in: Rehklau, Christine und Ronald Lutz (Hrsg.): Sozialarbeit des Südens, Band 1, Oldenburg 2007, S. 91-122, mit Abbildungen

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